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Pressemitteilungen

Ostsee Zeitung v. 11.12.2008



NNN v. 30.06.2008



"Likedeeler hat Priorität" - 20 Jahre Jugendschiff: OB Methling verspricht Zuwendungen
Rostock (kaho) Oberbürgermeister Roland Methling hat auf der Jubiläumsfeier der
"Likedeeler" starke Worte gefunden: "Das Schiff hat zukünftig Priorität, wenn es
um die Vergabe von Geldern geht." Methling bedaure sehr, dass die Stadt diese
Jugendarbeit in den vergangenen Jahren vernachlässigt hat. Immer weniger Geld sei
in den Verein geflossen. Deswegen am Sonnabend sein Versprechen: "Die Stadt ist
Euer Partner, wir wollen uns in Zukunft noch verbessern." Die "Likedeeler" sei den
Rostockern schließlich ans Herz gewachsen, einfach nicht mehr wegzudenken.
 "Danke für diese lieben Worte", hat darauf der Vereinsvorsitzende Wolfdietrich
Barmwoldt gesagt. Er werde Methling beim Wort nehmen und sich auf Zeugen berufen.
So scherzten ersthaft die Herren an diesem Vormitag, der als Jubiläumsfeier noch
über die 20 Jahre "Likedeeler" hinaus ging. Gleichzeitig hat nämlich die maritime
Jugendarbeit in Rostock die magische Zahl von 50 Jahren überschritten. "1957 bis
heuten - Maritimes und Mee(h)r für kleine Leute", so heißt die neue Ausstellung auf
dem Schiff.
 Was heute die "Likedeeler" ist, war in den Anfängen der Dampfer "Vorwärts": Ein
echter Seemanns-Ort, an dem Jugendlichen maritimes Traditionsgut nahe gebraucht wird.
Fischnetze knüpfen, Knoten üben, segeln: All das lernen die Schüler an Bord, auch
wenn es zunehmend schwer wird, ihnen den Gebrauchswert dieser Fertigkeiten zu erklären.
Barmwoldt: "Früher haben wir den Kindern gesagt, wenn ihr Eurer Mutter mal eine
Wäscheleine festmachen wollt, braucht ihr diese Knoten." Heute würde einfach die
Spinne aufgeklappt.
 Die Jugendlichen, so Barmwoldt weiter, seien heute nicht mehr so leicht zu begeistern
wie damals. Dabei fehle es ihnen an vielem. "Manche können nicht mal einen Tisch
abwischen, haben noch nie Schuhe geputzt." Viele Kinder würden nicht mehr in den
Familienalltag mit einbezogen. "Da braucht es manchmal auch ein hartes Wort." Und
das hilft. Etliche Glückwunschkarten hat der Verein von Ehemaligen bekommen. Finden
diese erwachsen noch einmal den Weg aufs Schiff, können sie sich vielleicht als
Jugendliche sehen - in einem extra gedrehten Jubiläumsfilm.

Hanse-ANZEIGER 25.06.2008


Jugendschiff Likedeeler feiert 20-jähriges - Urgestein Wolfdietrich Barmwoldt erinnert sich an Gäste und Geschichten

"Das waren keine leichten Jahre", resümiert Dr. Holger Stein und lässt seinen Blick über die
spiegelglatte Warnow schweifen. "Wir haben am Anfang eines jeden Jahres immer gewusst, was wir
machen wolle. Und jeweils zum Jahresende haben wir nie gewusst, wie es weitergeht." Wolfdietrich
Barmwoldt, heute der Mann am Ruder der Dhau, nickt stumm. Er kennt die Geschichte der Likedeeler
in- und auswendig, die der Vereinvorsitzende gerade erklärt. Behutsam korrigiert er mit seiner
Rechten den Kurs. "Das ist ja heutzutage alles sehr komfortabel", sagt er und nickt in Richtung
GPS-Gerät. "Sowas gab's ja früher nicht. Nur die Sterne, die Stoppuhr und den Kompass."
 Ein paar Meter weiter auf dem Deck der Dhau fährt Steuerberater Dr. Stein fort. Damals, in den
50er Jahren, war es der Dampfer "Vorwärts", der Kindern und Jgendlichen eine maritime Freizeit-
gestaltung mit dem Ziel eine seemännische Grundausbildung zu vermitteln, bot. Bis 1988, als die
Materialengpässe in der DDR spürbar wurden und der Staat weitere Investitionen in das ausgediente
Schiff der Handelsflotte versagte. "Ein trauriges Kapitel", sagt der Vereinvorsitzende.
 Wolfdietrich Barmwoldt Wiegt bei diesen Worten bedächtig den Kopf hin und her. Er erinnert sich
an damals. Heute sagt er, es sei mit die schönste Zeit gewesen, aber auch die schwerste. Als die
"Condor", die heutige Likedeeler, 1986 im Stadthafen festmachte, hatte sie Eisen aus Klaipeda an
Bord. "Wir haben dann noch die Ladung gelöscht", erinnert sich Barmwoldt. "Im Fischereihafen ging
dann die Besatzung von Bord und wir sind gleich weiter zum Umbau in die Warnow-Werft nach Warne-
münde. "Zwei Jahre hat Barmwoldt die Umbauarbeiten betreut. Zwei Jahre lang kroch er durch Doppel-
böden, fegte Metallspäne zusammen und verzichtete in dieser Zeit komplett auf seinen Urlaub. Dann,
am 12.12.1988, trat die "Condor", die in 25 Dienstjahren - gemessen an den zurückgelegten Seemeilen -
83 Mal die Erde umkreiste, ihre letzte Reise an. Und auch Wolfdietrich Barmwoldt, der bis dahin
die Ostsee, das Mittelmeer und das Schwarze Meer durchkreuzt hatte, vertäute sich mit dem Dauer-    ?
liegeplatz der Likedeeler in Schmarl wieder fest mit dem Heimathafen Rostock.
 Der heute 67-Jährige gehört längst zu den alten Hasen. während das Jugendschiff in diesen Tagen
das 20-jährige Jubiläum begehrt, blickt Barmwoldt inzwischen auf mehr als 45 Jahre Kinder- und
Jugendarbeit zurück. Vor vielen Jahren hat er Holger Stein als jungen Matrosen unter seine Fittiche
genommen. "Viele sind durch unsere Hände gelaufen", sagt er und winkt ab. Einige sind sogar bei der
Seefahrt geblieben, arbeiten heute als Chef-Kapitän für Aida oder Scandlines. Viele andere kommen
einfach immer wieder. Wie zum Beispiel die Matheolympioniken, die jedes Jahr aus aller Herren Länder
anreisen, um eine Woche auf der Likedeeler unterrichtet zu werden. Dass es die jungen Leute immer
wieder an Bord des alten Volldeckers zieht, versteht der Rentner nur zu gut. Er hatte vor einigen
Jahren längst beschlossen, sich zur Ruhe zu setzen. Doch dann kam im Jahr 2003 die IGA und mit ihr
die "Dhau", ein Geschenk der Vereinigten Arabischen Emirate, die nach Ausstellungsende dem Likedeeler-
Verein übereignet wurde.
 Nun steht Wolfdietrich Barmwoldt auf dem Deck und hört seinen ehemaligen Schüler Dinge sagen wie:    ?
"Es kostet Kraft, den Verein inhaltlich und wirtschaftlich zu führen. Und natürlich auch Mut, unpo-
puläre Entscheidungen zu treffen." Barmwoldt hat die Hände in die Taschen gesteckt. Er nickt wieder
stumm und kommentiert dann die wechselvolle Geschichte der Likedeeler und damit auch seine Lebens-
geschichte mit dem einfachen Satz. "Ach wissen Sie, wenn man mit Kindern und Jugendlichen arbeitet,
wird es einfach nie langweilig."
 Die Likedeeler feiert am 28. Juni ab 10 Uhr ihr 20-jähriges Jubiläum. Zum Programm gehören unter
anderem Mitfahr- und Segelmöglichkeiten sowie die Präsentation des Filmprojekts "1957 bis heute -
Maritimes und Mee(h)r für kleine Leute".
Informationen unter 0381-127210 und www.schiff-likedeeler.de.

Heimat für kleine Matrosen




OZ vom 19.06.2008
Der Verein „Likedeeler" blickt auf 50 Jahre maritime Bildung zurück. 20 Jahre davon auf dem ehemaligen Frachter „Condor".
 Von NICK VOGLER
 Schmarl. Manchmal sieht Wolfdie­trich Barmwoldt (67) das Fährschiff „Aurora" in Rostock einlaufen. Dann muss er daran denken, dass der Kapi­tän dieses Schiffes früher einer der kleiner Matrosenschüler war, die auf dem Pionierschiff die Grundbegriffe der Seefahrt lernten. Einige davon sind später zur Seefahrt gekommen - einer ist zum Beispiel Lotse, einer Nautischer Offizier beim Bundesamt für Seeschifffahrt. Und Barmwoldt, der seit 1957 das Jugendschiff „Vor­wärts" und später die „Likedeeler" betreute, kann sich an viele von ih­nen erinnern.
Barmwold ist ein stämmiger See­bär mit grauen Haaren und offenem Lachen, dem man ansieht, dass er mit Kindern umgehen kann. Früher war er Projektleiter, jetzt ist er Vorsit­zender des Vereins „Likedeeler", der gleich zwei Jubüäen feiert: Seit mehr als 50 Jahren wird maritime Schülerbil­dung in Ros­tock betrie­ben, seit 20 Jahren auf dem ehemali­gen Frachter „Condor", der als Ju­gendschiff „Likedeeler" am Rande des Dorfes Schmarl liegt.
Zurzeit erarbeitet der Verein eine Chronik über die Aktionen, mit de­nen Kinder und Jugendliche seit Jahrzehnten in Rostock mit der See­fahrt vertraut gemacht wurden. „Ei­ne Broschüre dazu soll im Herbst er­scheinen", sagt Vize-Vereinsvorsit­zender Holger Stein(48). Eine Samm­lung von Fotos aus diesen Jahren wird ab dem 28. Juni im Bauch des großen, blauen Schiffes gezeigt.
Barmwoldt war - natürlich - da­bei, als im Jahr 1986 der ausgediente Frachter „Condor" nach Rostock kam und auf den Werften zum Ju­gendschiff umgerüstet wurde. „Dass wir das in zwei Jahren geschafft ha­ben, ist un­glaublich - es gab ja kaum Material", er­innert sich Barmwoldt.
Inzwi­schen arbei­tet er ehren­amtlich für den Verein, der sechs fest angestellte und rund fünfmal so vie­le ehrenamtliche Helfer hat. Projektkoordinatorin Elke Thiers (50) sieht sich einerseits der Tradition verbun­den, die maritime Vereinsarbeit mit Kindern fortzuführen.  „Allerdings schaut man sich auch immer nach neuen Projekten um, mit denen wir Kinder auf unseren Schiffen begeis­tern können", sagt sie. So gibt es ne­ben dem Kutterrudern jetzt auch Kut­tersegelkurse, Ernährungs- und Be­ wegungsprojekte oder Computer­kurse für Kinder.
Neben dem schwimmenden Schul­landheim, der „Likedeeler", betreibt der Verein noch andere Schiffe und Boote, darunter ein „Dhau" genann­tes arabisches Fischerboot, eine Mo­toryacht, ein Zeesboot, verschiedene Marinekutter und mehrere kleine Opti-Segler.
Viel Aufwand für einen kleinen Verein, dem das Überleben gerade im Jubiläumsjahr nicht leichtfällt. „Dass die Stadt keinen gültigen Haushalt hat, erschwert die Pla­nung", sagt Stein. Mit etwa 500 000 Euro plant der Verein jähr­lich, öffentliche Fördermittel sind un­entbehrlicher Bestandteil des Kon­zepts. Trotz sinkender öffentlicher Förderung - an seinen Zielen hält der Verein fest. Stein sagt: „Wir müs­sen die Einnahmen eben immer wei­ter erhöhen - und ständig kreativ sein, wie Ausgaben zu senken sind."

Likedeeler steuert durch Höhen und Tiefen


NNN vom 18.06.2008
20-jähriges Bestehen / Wechselvolle Geschichte
Rostock (kasa). Tobende Kinder und laute Rufe sind in den Gängen der "Likedeeler" zu hören.
Eigentlich eine typische Situation: Seit den 1960er-Jahren kommen Schüler aus der Hansestadt
auf das Jugendschiff und verbringen dort ihre Freizeit. "Damals wie heute können Kinder und
Jugendliche alles rund um das Wasser lernen", sagt Wolfdietrich Barmwoldt, Vorsitzender des
Fördervereins Jugendschiff "Likedeeler".

    Geburtenrückgang macht sich bemerkbar

 Mit dem Ziel, die Kinder von der Straße zu holen und ihnen eine Beschäftigung zu geben,
lernen sie in Arbeitsgemeinschaften das Segeln, Knoten und Hängemattenknüpfen, eben alles,
was "mit dem maritimen Leben zu tun hat", so Barmwoldt. Doch so einfach wie zu DDR-Zeiten
ist es heute nicht mehr: "Auch wir bekommen den Geburtenrückgang zu spüren", sagt er. Der
Verein müsse immer mehr auf die Kinder zugehen und für das Schiff und die Aktionen werben.
"Wir dürfen nicht eine halbe Stunde nachlassen", sagt der 67-Jährige, der seit 1986 auf dem
Schiff ist.

    Chaotische Modernisierung

 Gut erinnern kann er sich noch an den chaotischen Ablauf der Modernisierung: "1986 sollte
ich als Bauleiter die MS Condor zu einem Jugendschiff umbauen und das alles verlief ohne
den Fünfjahresplan". Seitdem ist er eng mit dem Schiff verbunden: "Mein Leben lang hatte
ich mit Jugendlichen zu tun, das hält mich jung." Sein persönliches Herzstück ist die Dhau
Al Adida, ein Geschenk der Vereinigten Arabischen Emirate nach der IGA 2003. "Im Sommer
bieten wir Hafenrundfahrten auf dem Segelboot an", sagt Elke Thiers, Projektkoordinatorin an
Bord. Gemeinsam mit 147 weiteren hauptsächlich ehrenamtlichen Mitarbeitern managen sie die
Arbeit auf dem Schiff.
 Der niederdeutsche Begriff "Likedeeler" heißt "Gleichteiler", "und das waren bei Störtebeker
die Piraten, die die Reichen beraubt und den Armen geholfen haben", erklärt die 50-Jährige.
Der Name ist Programm.

    Erste Segelkenntnisse an Bord lernen

 "Viele, die vor der Wende bei uns die ersten Kenntnisse in Sachen Segeln erworben haben, sind
auch beruflich auf dem Wasser gewesen", sagt Thiers. Einer fahre nun auf der Scandlines, zwei
arbeiten als Lotsen und einer sei sogar Kapitän auf Aurora geworden, sagt sie.

    1962 BIS HEITE - FÜNF EREIGNISSE

 1962: auf der Neptunwerft als MS "Condor" gebaut

 1986 bis 1988: Umbau mit Hilfe der Neptun-, der Matthias-Thesen-, der warnowwerft und dem
Fischkombinat zum Jugendschiff "Immer bereit"

 1991: Gründung des FördervereinsJugendschiff "Likedeeler"

 1993: Träger der freien Jugendhilfe

 2007: Kauf des Schiffes durch den Förderverein

Nachwuchsbiologen wollen Robben knuddeln


NNN vom 13.06.2008
Hohe Düne.  Sie befassen sich mit Wasserflöhen, Seepocken und winzigen Krebsen. Dutzende Mädchen und Jungen besuchen die Umweltprojekte des Jugendvereins Likedeeler am Schmarler Ufer, weil sie mehr über das Leben in und an der Ostsee erfahren möchten. Jetzt eröffnet sich für die Nachwuchsbiologen ein ganz neues Feld. Viel­leicht dürfen sie irgendwann mal echte Seehunde füttern.
 Dieter Barmwoldt, Vorsit­zender des Likedeeler-Förder-Vereines, und Umwelterziehe­rin Christel Puchmüller vom Jugendschiff besuchten in dieser Woche die See­hund-Forschungsstation von Professor Guido Dehnhardt im Yachthafen Hohe Düne, um Möglichkeiten einer Zu­sammenarbeit auszuloten.
 Und dafür gibt es mehr Möglichkeiten, als zunächst gedacht. „Wir haben den Wis­senschaftlern angeboten, Kontakte zu Handwerkern und Dienstleistern in der Stadt zu vermitteln", sagt Barmwoldt. Als ehemaliger Geschäftsführer des Likedeeler-Vereins weiß der jetzige Vorsitzende besonders gut, wie viel Arbeit beispielsweise noch in den Ausbau der Basisstation, dem alten Schiff der Wissenschaftler, gesteckt wer­den muss.
 Eine Vereinbarung über gemeinsame Projekte könnte in den Sommerferien getroffen werden, wenn auch bei der Crew um Guido Dehnhardt wieder etwas Ruhe eingezo­gen ist. Noch ist das Team mit den Nachwehen des Umzu­ges der neun Robben aus dem Kölner Zoo nach Ho­he Düne befasst.
 Christel Puchmüller kann sich vorstellen, dass sie ein Projekt ins Leben ruft, in dem sich die Schüler näher mit dem Leben von Seehunden beschäftigen. Ein Besuch in der Station in Hohe Düne könnte dann ein Höhepunkt innerhalb des Projektes sein. Die Freude über die Robben im Yachthafen hat in dieser Woche auch die Besatzung der „Likedeeler" erfasst.
 ACHIM TREDER